Stimmen aus der Presse





Wenn Kinder auf den Hund kommen

Besondere Therapieform kann Mädchen und Buben im Tölzer Jugendhaus zur Normalität zurückhelfen

von Jens Hendryk Dässler

Bad Tölz - Tiere können helfen, Kinderseelen zu heilen. Längst besuchen Vierbeiner Schulen, Kindergärten, aber auch Krankenhäuser - mit bemerkenswerten Effekten für die Mädchen und Buben. Auch im Tölzer Jugendhaus möchten Paul und Roswitha Rittinger nicht mehr auf die tiertherapeutische Unterstützung für ihre Schützlinge verzichten. Weil das Heim, in dem 16 traumatisierte Kinder dauerhaft und neun ambulant Betreuung und Hilfe finden, privat geführt wird, "dürfen wir im Gegensatz zu Kirche oder Caritas keine Spendenquittungen ausstellen", sagt Paul Rittinger. Weil aber Spenden nur mit Quittung steuerlich abgesetzt werden können, "fließen die Zuwendungen halt dorthin, wo man eine Quittung bekommt".

Vom Effekt, den gerade Therapiehunde auf traumatisierte Kinder und Jugendliche haben, ist Rittinger zutiefst überzeugt. Und das, was sich binnen einer knappen Stunde entwickelt, während sich Therapiehund "Tilda" im Jugendhaus probeweise mit zwei Buben und einem Mädchen im Grundschulalter befasst, schein ihm mehr als Recht zu geben.

"Der Hund spiegelt stets das Verhalten seines Gegenübers wider", sagt Ines Huss. Die Waakirchnerin hat die vierjährige Hundedame ausgebildet. Damit der Hund etwa Kommandos annimmt, "muss sich das Kind aufrecht hinstellen und mit deutlicher Stimme sprechen", so Huss. Wer eingefallen dasteht und kaum den Mund aufbringt, bewirkt zunächst nichts. "Die Kinder lernen, dass ihr Verhalten unmittelbar Einfluss auf die Reaktion von Tilda hat." Im Jugendhaus bedeutet das: Aus drei zappeligen, lauten und recht turbulenten Kindern werden nach kurzer Zeit mit dem Hund aufmerksame, viel einfühlsamere kleine Menschlein, die über ihre erzielten Erfolge mit dem doch stattlichen Vierbeiner gar nicht genug strahlen können.

"Es geht hier nicht ums Streicheln", stellt Huss klar. Natürlich darf das Tier angefasst werden, bei stark mitgenommenen Kindern ist streicheln zunächst oft der einzige Weg. "Wenn die Kinder lernen, wie sie mit Tilda kommunizieren, wie sie das Tier dazu bringen, bestimmte Dinge zu tun, dann gibt ihnen das Selbstvertrauen und stärkt ihr Selbstwertgefühlt." Denn ein Hund wertet nicht, er kritisiert auch nicht - und deshalb können sich die Kleinen öffnen. "Man merkt auch, dass der Hund nach einer gewissen Zeit nicht mehr kann", erklärt Huss. Dann ist es für das Tier wichtig. sich zurückziehen zu können, einer der Gründe, warum nicht einfach ein Hund angeschafft wird. Ein anderer Grund: die Aggressionen mancher Kinder.

Zumeist betreut das Jugendhaus verhaltensauffällige Kinder und solche, die wegen schwieriger familiärer Situationen nicht mehr daheim leben können. "Wegen ihrer Erlebnisse sind sie oft verschlossen und müssen erst lernen, sich zu öffnen", so Rittinger. Bei hyperaktiven und aufmerksamkeitsgestörten Kindern hingegen sei es wichtig, sich zu konzentrieren. Und zu erleben, welche Auswirkungen das eigene Verhalten auf die Umgebung hat. Mit der Aktion Leser helfen helfen soll eine erste Phase der Hunde-Therapie im Jugendhaus ermöglicht werden.

aus dem Bad Tölzer Kurier








Ein Vierbeiner als Seismograph der Kinderseele

von Andreas Huber

Bad Tölz - Tilda ist ungarischer Abstammung, wohlerzogen und sensibel. Als haariger "Eisbrecher" unterstützt die Hündin Kinder als Therapiebegleiter. Auch mit Hilfe der Aktion Leser helfen helfen konnte dieses Angebot realisiert werden.

"Tilda stellt keine Fragen und nimmt jeden, wie er ist. Das gibt den Kindern Sicherheit", sagt Ines Huss über ihre ausgebildete Therapiebegleithündin. Bei verhaltensauffälligen Kindern etwa hilft das Tier, die Kommunikation im Umgang miteinander zu fördern. "Tilda reagiert ganz genau auf Empfindungen. Wenn ein Kind ruhig ist, ist auch sie ruhig, wenn es unruhig ist, ist auch Tilda unruhig." Besonders hilfreich bei so einer Therapie sei, dass "die Kinder schnell merken, dass der Hund alle gleich behandelt. Auch dann, wenn das Kind anders ist." So bekomme jeder das Gefühl, dazuzugehören.

Von der Hündin können die Kinder und Jugendlichen im Alter von sieben bis 14 Jahren viel lernen. Etwa Durchsetzungsfähigkeit. "Kinder sind oft nicht in der Lage Nein zu sagen. Zusammen mit Tilda können sie ein klares "Nein" lernen. Denn wenn man ihr gegenüber nicht klar formuliert, macht sie, was sie will", so die 47 -jährige.

Auch eher verschlossene Heranwachsende öffnen sich im Umgang mit dem Vierbeiner. "Bei Spielen wie Fangen oder Verstecken tauen auch die auf, die erst mal gar nicht mit Tilda umgehen wollten", erzählt Huss. Impulsive Charaktere lernen einen sensiblen Umgang mit Lebewesen. Bei einem Kampfspiel mit Wollknochen werden den Kleinen Grenzen aufgezeigt. "Sie merken, dass sie Tilda den Knochen nicht abnehmen können und einfach nicht gegen sie ankommen."

Für das Tier bedeutet die Arbeit übrigens auch einen enormen Kraftaufwand. Doch Hunde haben laut Huss eine effektive Strategie, mit Stress umzugehen: Sie schütteln sich, dadurch fällt die Belastung von ihnen ab. "Wenn Tilda sich schüttelt, ist klar: So, das war's jetzt, jetzt ist Ende."

Seit etwa einem Jahr arbeitet Huss mit dem Hund der Rasse Viszla im Sozialpädagogischem Jugendhaus Bad Tölz und betreut dort Gruppen, aber auch einzelne Kinder. Sozialpädagoge Paul Rittinger betrachtet die Zusammenarbeit als vollen Erfolg. "Es läuft äußerst positiv. Wir können uns durchaus eine längerfristige therapeutische Anbindung vorstellen", so der 55-jährige.

Ein herzliches Dankeschön: Die Mitarbeiter des Sozialpädagogischen Jugendhauses Bad Tölz sammelten auch heuer wieder für die Aktion Leser helfen helfen. Einen Scheck über 300 Euro überreichten (v.li.) Ines Huss und Paul Rittinger mit Therapiehund Tilda an Redaktionsleiterin Veronika Wenzel.

aus dem Bad Tölzer Kurier







In die Schule auf vier Pfoten

Neues aus der Grundschule

Hunde haben einen ganz besonderen Platz im Leben und im Herzen ihrer Besitzer. Wer Hunde liebt, kann dies nur bestätigen. Wer kein großer Hundefreund ist, wird dies sicherlich trotzdem anerkennen. Hunde sind Familienmitglieder, Spielkameraden, Bewacher, treue Begleiter und vieles mehr. Und auch bei therapeutischen Prozessen, in der Pädagogik und bei speziellen Fördermaßnahmen werden Hunde heute eindrucksvoll und hilfreich eingesetzt.

So sind auch in der Grundschule Bad Wiessee Ines Huss und ihre speziell ausgebildete Hündin Tilda in der 1. und in der 3. Klasse regelmäßig zu Besuch. In diesen wöchentlich stattfindenden, so genannten tiergestützten Pädagogikstunden können die Kinder viel lernen – über den Umgang mit Hunden aber vor allem über sich selbst und ihre Art und Weise, wie sie miteinander umgehen und kommunizieren.

Unruhe in der Klasse, die von den Kindern oftmals gar nicht als solche wahrgenommen wird, zeigt sich im unruhigen Verhalten des Hundes. Die entspannte Atmosphäre von Ruhe findet bei den Kindern verstärkte Anerkennung, wenn auch der Hund ruhig und entspannt wirkt. Genauso ist es mit bestimmten Verhaltensmustern im Bereich der Kommunikation: Der Hund reagiert und zeigt den Kindern, wie sie auf andere wirken.

Kinder und Lehrer, die an diesen außergewöhnlichen Schulstunden teilnehmen, sind begeistert, was sie so alles dabei lernen. Und dass Tilda mittlerweile zum erklärten Liebling der Grundschüler geworden ist, versteht sich von selbst.

aus der Wiesser Schülerzeitung



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